Hells Cats BSC Blog - Baltic Sea Circle

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Cars, Cars, Cars…

Baltic Sea Circle
Herausgegeben von in Allgemein ·
Das Auto würde beim Baltic Sea Circle unser wichtigster Begleiter sein und wollte daher gründlich ausgewählt werden, wobei viele Faktoren eine Rolle spielen.

Wichtige Rahmendaten stellen dabei zunächst einmal die Vorgaben des Veranstalters hinsichtlich des Rallye-Gefährts dar: Dies soll im Jahr der Rallye mindestens seinen 20. Geburtstag feiern, es darf sich NICHT um ein Wohnmobil handeln, und wenn das Fahrzeug teurer als 2500 Euro ist, werden „Strafzahlungen“ in Form einer höheren (verpflichtenden!) Charity-Sammelsumme fällig.

Auch wenn wir uns natürlich wünschen, mehr als den Mindestbetrag für unser Projekt zusammenzubekommen: auch unser Budget für die Rallye ist nicht unbegrenzt, deswegen war dieser Preisrahmen für uns als Marke gesetzt.

Auch wenn aufgrund des bereits seit längerer Zeit anhaltenden Leasingtrends bei weitem nicht mehr so viele ältere Fahrzeuge über unsere Straßen rollen wie z.B. vor der „Abwrackprämie“, ist mit diesen Daten die Auswahl möglicher Fahrzeuge noch extrem groß.

Dies führte uns zu weiteren Gedanken:

  • Thema Verbrauch und Schadstoffe: Auf einer solch großen Tour muss das Fahrzeug auch betankt werden. Außerdem kommt auch eine Menge an ausgestoßenen Schadstoffen zusammen. Ein (für damalige Verhältnisse) sparsames und umweltverträgliches Gefährt wäre also von Vorteil.
  • Thema Leistung: Gleichzeitig möchte man ja nicht nur gestresst auf die Uhr gucken und überlegen müssen, wie man die Strecke im vorgesehenen Zeitfenster bloß schaffen soll, sondern auch einfach mal anhalten können, um spannende Orte erkunden zu können. Deshalb sollte der Wagen trotzdem ermöglichen, auf Strecken, die dies zulassen auch mal etwas „Gas“ geben zu können.
  • Thema Raumangebot und Komfort: Man verbringt über einen Zeitraum von gut 2 Wochen viiiiel Zeit im Fahrzeug, deswegen sollte es schon gemütlich und nicht zu beengt sein. Außerdem muss auch eine Menge Kram Platz in der Karre finden (Neben Proviant und Gegenständen des persönlichen Bedarfs sollte bei uns aus jeden Fall eine Grundausstattung Werkzeug, Benzinkanister, einige Ersatzteile und eine Campingausrüstung mit). Ein weiterer Gedanke zu diesem Thema: Die Übernachtungen bei der Rallye sind selbst zu organisieren. Vielleicht bekommt man ein Fahrzeug, in dem man auch schlafen kann?!?
  • Thema Handling: Eines der Ziele, die uns extrem gereizt haben, ist unter anderem die Großstadt St. Peterburg. Hier und sicherlich auch an anderen Orten, erleichtert ein trotzdem kompakt gehaltenes Fahrzeug mit Sicherheit einiges. Auch die Beschaffenheit der Strecke ist hier sicherlich ein Thema: auf schlechten Straßen und Schotterpisten wären eine gewisse Bodenfreiheit und ein Allradantrieb eine feine Sache…
  • Thema technischer Zustand: Der Wagen sollte natürlich verkehrssicher sein, und den Eindruck erwecken, dass er mit einem geringen Instandsetzungsaufwand diese Tour de Force auch gut überstehen kann. Natürlich hat man hier nie eine absolute Sicherheit, weil immer was kaputt gehen kann. Aber man will ja nicht schon mit Bauchschmerzen in Hamburg an den Start rollen…

Damit wäre die Liste der allgemeinen und „praktischen“ Themen erst einmal aufgestellt. Dazu kommt natürlich auch noch das sehr persönliche Thema des „Gefallens“: wenn man circa 2500 Euro für ein Auto ausgibt, sollte es einem schon gefallen.

Für uns persönlich ein weiterer wichtiger Punkt: wir beide sind beim Thema Autos und Reisen von jeher emotional. Mit unserem Peugeot 206 CC haben wir unter anderem 2 tolle Roadtrips durch Bella Italia unternommen und hegen und pflegen diesen Wagen seit mittlerweile knapp 13 Jahren, weil wir mit dem Fahrzeug so viele schöne Erinnerungen verbinden, dass wir uns davon nicht trennen können (leider fehlen dem Wagen noch ein paar Jahre bis zur Rallye-Tauglichkeit, aber wer weiß was noch so kommt?). Deswegen ist uns beiden klar: eine alte Kiste kaufen und diese nach der Rallye in die Presse geben – NEVER EVER.

Also musste das Auto für uns auch einen Alltagsnutzen mitbringen (wie auch immer dieser aussehen sollte) und in einem guten Zustand und mit einer akzeptablen Laufleistung gesegnet sein, um uns auch noch einige Jahre begleiten zu können. Ein Bonus wäre natürlich, ganz langfristig gedacht, die Möglichkeit zur Beantragung eines H-/Oldtimer-Kennzeichens zum gegebenen Zeitpunkt, um hier ggf. Kosten für Steuern und Versicherung sparen zu können.

Diese vielen, verschiedenen Themen galt es nun also, gegeneinander abzuwägen, zu priorisieren und vor allem: den Markt abzuchecken. Erster Schritt in unserem Fall: an einem freien Tag einfach mal durch die Gegend fahren, bei Gebrauchtwagenhändlern anzuhalten und in Frage kommende Modelle zu begutachten.

Dabei wurde uns schnell klar: die Variante „VW-Bus oder ähnliches“ kam für uns nicht in Frage: Viele der verfügbaren Fahrzeuge im entsprechenden Alter und unterem Preissegment waren technisch in keinem wirklich guten Zustand und hätten sehr viel Arbeit bedeutet. Außerdem hatten wir nicht wirklich Lust, in einem solch großen Fahrzeug mit relativ kleinem Motor zu fahren, und sein wir mal ehrlich: wie oft benötigt man ein solches Fahrzeug außerhalb der Rallye als 2-Personen-Haushalt im Alltag? Das Argument „Im Fahrzeug schlafen“ hatte sich für uns auch schnell erledigt, denn wenn die Ladefläche als Bett genutzt wird, muss ja das Equipment irgendwo hin, was umräumen bedeutet. Wie sind bereits Besitzer eines qualitativ überzeugenden und stabilen Wurfzeltes, da haben wir dieses auf jeden Fall schneller aufgebaut.

Beim Thema „Kultfaktor“ schwer zu überbieten wäre natürlich ein cooler amerikanischer Geländewagen oder Pick-up, was wir aber aufgrund des Öko-Aspektes und des Unterhalts schnell verworfen haben, was insbesondere dann wichtig wird, wenn uns das Fahrzeug längerfristig begleiten soll.

Da wir in einer im Winter recht schnee- und eisreichen Region leben, hatten wir schon länger über die Anschaffung eines Geländewagens mit Allradantrieb nachgedacht, mit dem man bei schlechtem Wetter auch mal zur Arbeit fahren kann, ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob man abends noch zu Hause ankommt. Warum also anstatt eines neuen Alltagswagens diesen nicht zusätzlich als Rallye- und Funfahrzeug anschaffen? Nach einem Blick auf die am Markt verfügbaren Modelle asiatischer und europäischer Hersteller haben wir daher entschieden: dies ist der Weg, den wir weiter verfolgen wollen.

Leider mussten wir dabei feststellen, dass für derartige Fahrzeuge in einigermaßen gutem Zustand offensichtlich ein großer Markt vorhanden ist, denn viele Fahrzeuge waren über die gängigen Onlineplattformen oft sehr schnell verkauft. Meist konnte man davon ausgehen, wenn ein Wagen bereits länger online war, dass dort „irgendwas“ faul war.

Irgendwann hatten wir dann aber Glück: beim Suchen auf Mobile stießen wir auf einen Land Rover Freelander, der uns auf den ersten Blick gefiel und der zwar nicht direkt vor unserer Haustür, aber auch nicht schrecklich weit weg stand. Ein Anruf und tatsächlich: der Wagen war noch da. Der Verkäufer des Wagens war uns sofort sympathisch und erzählte, dass er zwar schon mehrere Anfragen für den Wagen gehabt hätte, aber nie ein wirklich gutes Gefühl gehabt hätte, da er sehr an dem Wagen hängen würde, weil dieser ein Erbstück ist. Als wir ihm erzählten, zu welchem Zweck wir das Fahrzeug anschaffen wollten und auch den Charityaspekt erwähnten, war er dann auch sofort begeistert und gern bereit, den Wagen für ein paar Tage bis zum möglichen Besichtigungstermin für uns zu reservieren.

Wir wollten uns nach dem vorherigen Recherchen noch keine zu großen Hoffnungen machen, aber als wir den Wagen begutachteten, bestätigte sich das unterschwellige „Das ist er“-Bauchgefühl recht schnell. Noch auf der Probefahrt wurde der Kaufpreis am örtlichen Geldautomaten abgehoben und der Wagen sofort mitgenommen.

Unser großes Glück: der verstobene Onkel des Verkäufers hatte aufgrund der Brexit-Panik bereits einiges an Ersatzteilen bevorratet, die wir eh erneuern oder sogar auf der Tour mitnehmen wollten, und die wir hier zu einem günstigen Paketpreis erwerben konnten.

Nun steht unser „Landy“ also bei uns unterm Carport und wartet auf seinen großen Tag und darauf, noch hübscher gemacht zu werden (aber das ist ein anderes Thema, auf das wir später zurückkommen werden). Eigentlich hatten wir uns fest vorgenommen, diesen Spitznamen für den Wagen NICHT zu übernehmen, aber irgendwie hat er sich doch, zusammen mit dem Wagen, in unsere Herzen geschlichen…



Julia & Andreas Günther
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